generation 2.0
 

»Generation 2.0«

Fachtag Jugendinformation: »Generation 2.0« - Das neue Web - Optionen für die Jugendarbeit

»Das Internet ist ein zentraler und äußerst bedeutender Raum in unserer Zeit«. Diesem Satz folgten viele Teilnehmer-innen aus Jugendprojekten und Jugendverbänden zum Fachtag Jugendinformation »Generation 2.0« am 31. Mai nach Hannover.


Hans Schwab eröffnete für den Landesjugendring Niedersachsen am 31. Mai im Kommunikations- und Veranstaltungszentrum Pavillon in Hannover den bundeszentralen Fachtag Jugendinformation 2007:

Der Landesjugendring Niedersachsen hat bereits 1997 sein Projekt neXTgeneration gestartet und die nächste Zukunft für Kinder- und Jugendliche und für die Jugendarbeit in den Blick genommen. Heute, zehn Jahre später, hat sich an den politischen Positionen und Forderungen nichts grundlegendes geändert, und trotzdem befinden wir uns in der globalen Welt in einer einschneidend neuen Phase des Lebens und in einer weltbildverändernden Umbruchsphase auf der Suche nach neuen Orientierungen.


Wenn wir uns heute unter dem Titel Generation 2.0 mit dem kleinen Ausschnitt Internet beschäftigen, so kennzeichnet das doch einen der bedeutensten Marker der Gegenwart.


Drei bedeutende Merkmale kennzeichen für mich den Titel unserer Veranstaltung »Generation 2.0« und stellen zudem die Verbindung zu unserem Zukunftsprojekt neXTgeneration her.

Ich bringe sie verkürzt auf den Punkt:


Neue Besitzverhältnisse - Neue Räume - Neue Synapsen.


Neue Besitzverhältnisse


Die entscheidende Bedeutung des Internet liegt in seiner demokratischen Dimension. Erstmals in der Geschichte des Kapitalismus ist die Medienmacht grundsätzlich nicht mehr vom Kapital und vom Besitz der Produktionsmittel abhängig. Mit den partizipativen Medienformen WIKI und Weblog kommt es zu einer Demokratisierung des Wissens (WIKIs) und zu einer Demokratisierung der Nachrichten (mit den Weblogs als Medium von unten ist eine Kontrollinstanz der Medien selbst entstanden), die nicht mehr von Geld und Besitz abhängig sind. Produktionsmittel sind gratis verfügbar, auch wenn es die letzten krampfhaften Bemühungen gibt, Inhalte z.B. über den Kopierschutz einzusperren um weiter den Profit maximieren zu können. Gerade angesichts der zunehmenden Medienkonzentration kommt es im demokratischen Sinne darauf an, gemeinsam eine mediale Gegenmacht zu entwickeln, zu etablieren und zu stärken.


Neue Räume


Es ist die zentrale Aufgabe der Jugendarbeit, Räume zu gestalten, in denen Kinder- und Jugendliche bestmögliche Bedingungen vorfinden, ihren Bedürfnissen nachzukommen und ihren Interessen eine Stimme zu geben. Räume für Improvisation, Emotion, Phantasie. Netzwerke die für die Zukunft unserer Gesellschaft und damit für die Jugendarbeit und für politisches Lernen eine besondere Bedeutung haben.


In der sachgerechten Nutzung des Internets liegen auch die Möglichkeiten, Chancen und Aufgaben der Jugendarbeit als Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche. Das Medium Internet bietet dabei nicht nur vielfältige partizipative Bausteine und methodische Möglichkeiten, es sichert auch ein exzellentes Netzwerk für Kommunikation, Kooperation und für eine neue Qualität der solidarischen Interessenvertretung.


Neue Synapsen


Der Hirnforscher Gerald Hüther nennt als Grundvoraussetzung für produktive Entwicklungen des Gehirns die damit verbundene positive Einstellung. Lust und Selbstvertrauen sorgen dafür, dass sich Herausforderungen, Neugierde, erfolgreiche Bewältigung und positive Erfahrungen verbinden. So enstehen immer wieder neue synaptische Verschaltungen und die Voraussetzung für Idee, Inspiration Freude und Entwicklung. Alles, was die emotionalen Zentren im Hirn in Bewegung  bringt, trägt dazu bei, dass all das, was man unter diesen Bedingungen  tut, lernt oder erfährt, auch im Hirn haften bleibt. Deshalb merken wir  uns immer dann etwas besonders gut, wenn wir begeistert sind oder eine  Lösung für ein Problem finden, das uns emotional aufrüttelt.


Das tägliche Leben beinhaltet vielfältige kreative Auslöser, sie müssen nur assoziativ erkannt und mit dem neuen Verwendungszweck in Verbindung gebracht bzw. verschaltet werden. Dafür ist ein reicher Werkzeugkasten voll Fantasie und ein Gehirn mit vielfältig entwickelten Verschaltungen sehr hilfreich, wenn nicht gar notwendig. Dafür ist es zwingend, dass neue und innovative Wege mit positiven Assoziationen verbunden und nicht durch eingebrannte negative Lebenserfahrungen blockiert werden.


In anderen Worten: Spass an dem was man tut und das nötige Durchhaltevermögen sind der Garant für eine positive Entwicklung. Es gibt kein Talent, sondern nur die Leidenschaft; Dinge die man tun will oder Dinge, auf die man keinen Bock hat. Dinge die man tun will beherrscht man auch irgendwann.


Zusammengenommen:

Die Verschaltungen im Hirn spiegeln in hohem Maße die Konstruktion und die Konstitution des Internets und die Computerisierung des menschlichen Lebens wider. Der Umgang damit trägt möglicherweise und hoffentlich dazu bei, moralische Prinzipien und eine neue Ethik mehrheitsfähig zu machen. Die Sozialisierung des Wissens und Meinungsmacht bietet dabei beste Chancen für die Ausstattung zukunftsfähiger Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

 

Hans Schwab und Florian Dallmann (DBJR)